Tanzfonds Erbe

FONDS FÜR KÜNSTLERISCHE PROJEKTE ZUM KULTURERBE TANZ

Nach dem Ende des Tanzplan Deutschland führt die Kulturstiftung des Bundes ihr Engagement für den Tanz fort: Sie initiierte die beiden Fonds TANZFONDS ERBE und TANZFONDS PARTNER. Verantwortlich für die inhaltliche Konzeption und Durchführung sind Madeline Ritter, die ehemalige Leiterin von Tanzplan Deutschland und Ingo Diehl, der ehemalige Leiter des Ausbildungsbereichs von Tanzplan Deutschland. Im Juli 2011 gründeten sie die DIEHL+RITTER gUG, die Projektträger der Tanzfonds ist.

Zielsetzung

TANZFONDS ERBE fördert künstlerische Projekte zum Kulturerbe Tanz. Der zeitgenössische Tanz in Deutschland ist eine Kunstsparte, deren Geschichte von begrenzter öffentlicher Sichtbarkeit ist ― ungeachtet der Tatsache, dass der Weltruf von Künstlerpersönlichkeiten wie Mary Wigman, Dore Hoyer, Tatjana Gsovsky, Rudolf von Laban, William Forsythe oder Pina Bausch, um nur einige wenige zu nennen, seinen Ausgang in Deutschland nahm.

In Gesprächen mit Tanzensembles an deutschen Bühnen und mit freien Tanzcompagnien zeichnete sich die Erkenntnis ab: Die Pflege des Kulturerbes ist zwar gewünscht, aber die bestehenden Kapazitäten reichen oft nicht aus. Es mangelt nicht nur an finanziellen Mitteln, sondern auch an Zugang zu Choreografien und den dazugehörigen Materialien. Die Urheberrechte für historische Werke des 20. Jahrhunderts sind oft ungeklärt oder verursachen hohe Kosten. Auch aus den genannten Gründen ist es schwierig, den Tanz des 20. Jahrhunderts in all seinen Facetten ausreichend zu vermitteln. Die junge Generation von Tänzern und Choreografen hat vielfach Berührungsängste mit den historischen Werken. Das Publikum in Deutschland hat selten Gelegenheit, Schlüsselwerke der modernen Tanzgeschichte zu erleben und in Bezug zur Gegenwart setzen zu können.

Mit TANZFONDS ERBE wird der Grundstein gelegt für eine exemplarische Aufarbeitung der Geschichte des zeitgenössischen Tanzes in Deutschland. Die Offenheit des Projektes ― der Art der Annäherung sind kaum Grenzen gesetzt ― erleichtert den Zugang zur Moderne und schlägt eine Brücke zum Tanz der Gegenwart. TANZFONDS ERBE schafft keine Musealisierung von Werken und Personen vergangener Epochen, sondern eine lebendige Erinnerungskultur, die die Aktualität des modernen Tanzes offenlegt. Damit orientiert sich TANZFONDS ERBE an den Zielen des UNESCO-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes.

Die Förderung

Antragsberechtigte können Einzelpersonen und Institutionen mit ausgewiesenem Tanzhintergrund sein. Voraussetzung ist ein Sitz bzw. Wohnsitz und/oder Produktionsschwerpunkt in Deutschland. Das Förderspektrum umfasst:

  • Rekonstruktionen, Wiederaufnahmen, Neu-Einstudierungen oder Neu-Interpretationen von choreografischen Werken, die im 20. Jh. in Deutschland entstanden sind und die Entwicklung und Rezeptionsweise von Tanz in besonderer Weise geprägt haben.
  • Bearbeitungen von internationalen choreografischen Werken, die im 20. Jh. einen besonderen Einfluss auf die Tanzentwicklung in Deutschland ausüben konnten.
  • Auseinandersetzungen mit relevanten Themen, Zeiträumen, Orten oder Künstlerpersönlichkeiten der Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts, in unterschiedlichen künstlerischen Formaten wie zum Beispiel Lecture Performances, Installationen, Ausstellungen oder Film- und Online-Projekten.

Es werden mittlere und größere Projekte mit einer Fördersumme bis maximal 100.000 € gefördert. In einzelnen, gut begründeten Ausnahmefällen ist eine höhere Förderung möglich.

Die geförderten Projekte entstehen in Zusammenarbeit mit Experten: Choreologen, Historiker, Zeitzeugen und Dramaturgen können vom Antragsteller in die Projekte einbezogen werden und helfen bei der Auswahl von geeigneten Stücken sowie der Erschließung und Aufarbeitung von Quellenmaterial.
Die Projektleiter Ingo Diehl und Madeline Ritter stehen dem Antragsteller bei der Kontaktaufnahme zu Experten und Archiven unterstützend und beratend zur Seite.

Die entstehenden Produktionen werden Spielplan-Elemente der beteiligten Theater und Compagnien und sind überregional sichtbar. Ausgewählte Produktionen sollen im Rahmen des Tanzkongress im Jahr 2013 präsentiert und mit Künstlern und Experten fachlich diskutiert werden.

Dokumentation

Die im Rahmen des TANZFONDS ERBE geförderten Recherche- und Produktionsprozesse werden umfassend und qualifiziert dokumentiert. Dafür beauftragt die DIEHL+RITTER gUG ein erfahrenes Team. Es besteht großes Interesse, die Projektdokumentationen in Online-Datenbanken wie dem Digitalen Tanzatlas, Fachsammlungen und Hochschulbibliotheken für Öffentlichkeit, Lehre und Forschung zugänglich zu machen. Der hierbei entstehende Fundus dient auch zukünftigen Forschern und Künstlern als wertvolles Studienmaterial für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte des Tanzes in Deutschland und zeigt, wie ein künstlerischer Umgang mit dem Tanzerbe gestaltet werden kann.

Alle weiteren Informationen finden Sie unter Bewerbung.